VON BRÄUCHEN IM GEMEINDEGEBIET
DER GEORGITAG UND PFERDERITT IN ST.GEORGEN AM 23.APRIL
Der Kirchenpatron der Pfarrkirche St.Georgen, der heilige Georg, wird als Viehpatron verehrt. Sein Namensfest wird in der Pfarrgemeinde St.Georgen besonders festlich begangen. Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1416 müssen dem Pfarrer von Zell, weil St.Georgen damals keine eigene Pfarre war, und vom Übermooser von Zell betreut wurde, „Chelber und Lämber“ geopfert werden, also lebende Tiere.
In späterer Zeit wurde diese Opferform geändert. Der Gottesdienst wird in aller Festlichkeit begangen, und es kommen auch Gläubige aus der weiteren Umgebung, die Segen für ihren Viehbestand erbitten. Im Altarbereich steht ein Tisch, mit holzgeschnitzten Tieren darauf. Beim Opfergang nehmen die Gläubigen ein oder mehrere Tiere vom Tisch, und stellen sie mit einem Geldopfer nach einem Rundgang um den Altar wieder auf den Tisch. Welches hölzerne Tier vom Tisch genommen wird, hängt auch davon ab, welche Tiergattung größeren Segen und Schutz Gottes bedarf.
Nach dem Gottesdienst kommt der große Auftritt der Pferde, welche schön geschmückt mit kunstvollen Satteldecken belegt, zur Kirche reiten. Nach dem dritten Umritt um die Kirche stellen sich Ross mit Reiter in einer Front auf, und es folgt der Weiheakt. Dieser Pferdeumritt ist erstmals auf Anregung von Professor Richard Treuer im Jahre 1948 eingeführt worden.
VON BACHLTAG, BACHLSCHNEID UND BACHLKOCH:
Obwohl der 24.Dezember, der Bachltag, schon ein halber Feiertag ist, gab es an diesem Tag im häuslichen Bereich viel zu tun. Die Bezeichnung kam sicher vom Backen, denn an diesem Tag wurde für das Abendessen und den folgenden Feiertagen sich etwas „Gutes“ vorbereitet.
Eine Aufgabe des Hausherrn, ist es, für die „Bachlschneid“ zu sorgen. Da wurde in den Bauernhöfen sorgfältig geschliffen, denn alle Küchen- und Tischmesser und das Fleischackerl sollten nachher eine gute Bachlschneid aufweisen können, damit man den Klotzenwecken richtig schneiden, sowie den Speck bis zur Schwarte hinab durchschneiden konnte.
Das Bachlkoch, ein gewöhnliches Mehlkoch, dass mit den Zutaten Butter und Milch zu einem dicken Brei verrührt, und mit etwas Honig verfeinert wird. Das Bachlkoch isst man aus der Pfanne, die auf den Tisch gestellt wird. Es ist nicht Brauch, jedem seinen Teil auf den Teller zu geben, da würde zuviel Gutes verloren gehen. Übrigens, es war ungeschriebene Vorschrift, dass das Bachlkoch bis auf den letzten Rest aufgegessen werden musste. Diesem Bachlkoch werden sehr wirksame Lebens- und Gesundheitsgeister nachgesagt.
DIE ANKLÖCKLER:
In St.Georgen geht eine Gruppe von 4-5 Musikanten der Musikkapelle an den Adventwochenden von Haus zu Haus der Gemeinde, und spielten einige Weihnachtslieder auf. Nach einer kleinen Stärkung und einer Gabe für die Musikkapelle zieht man zum nächsten Haus. Dieser Brauch trägt viel zur freudvollen Einstimmung auf das Weihnachtsfest bei.
DAS FRAUTRAGEN IN NIEDERHOF:
Das ölgemalte Bild, die Herbergssuche Marias in Bethlehem darstellend, ist beim Stegerbauern daheim. Während des Advents wird das Bild unter Gebet in verschiedene Nachbarbauernhöfe getragen, wo es entsprechend verehrt wird. Am Heiligen Abend kehrt das Bild wieder zum Stegerbauern heim. Der Inhalt des schönen Brauches ist gebet und Besinnung.
DIE GEHEIMNISVOLLEN RAUHNÄCHTE:
Die eigentlichen Rauhnächte, die von vielen Bewohner der Gemeinde noch gehalten und beachtet werden, sind die Nacht vom 24./25.Dezember, die Silvesternacht und die Nacht vor dem Dreikönigstag. In diesen Nächten liegt viel geheimnisvolles drin: In der heiligen Nacht wirkt noch die Wintersonnenwende, die längste Nacht des Jahres herein, die Nacht vor Neujahr ist voller Ungewissheit über die Zukunft und die Dreikönigsnacht hat schon immer den Perchten und Unholden gegolten, die hier ihr Unwesen trieben.
Nach alter Meinung kam man die Geister der Rauhnächte nur durch Rauch vertreiben. So soll in diesen Nächten das Räuchern von Haus und Stall vor bösen Geistern bewahren. Zum Rauchen gehen gehört aber auch noch jemand, der alles mit Weihwasser besprengt.
LICHTMESS – ZUM „SCHLENGGERN WIRD ES“:
Im bäuerlichen Leben war besonders in früheren Jahren der Lichtmesstag von ganz erheblicher Bedeutung. Er war ja immer ein Bauernfeiertag und beim Gottesdienst werden in der Kirche die Kerzen geweiht und solche Lichtmesskerzen mussten im Haus immer vorhanden sein, sie wurden bei groben Unwettern angezündet, und sie hatten auch ihre Funktion, wenn einmal bei einem die letzte Stunde gekommen ist.
Der Lichtmesstag, lange Zeit auch der große bäuerliche Zahltag und gleichzeitig auch der Tag, an dem die Dienstboten, wie Knecht und Magd, vom Hof weggingen um bei einem anderen Bauern Dienst zu nehmen. Früher war es nicht üblich, die Dienstboten monatlich zu entlohnen, man musste das Jahr ordentlich arbeiten um am Zahltag, eben dem Lichtmesstag den ausgemachten Lohn und das vereinbarte Zugehör, wie Schuhe, Socken, Unterwäsche, Sonn- und Werktagsgewand zu bekommen. Übrigens hatte die Bezeichnung Dienstboten keine herabwürdigende Bedeutung.
Das bäuerliche Arbeitsjahr dauerte von Lichtmess zu Lichtmess und wenn der Knecht oder die Magd gegen Ende des Sommers nichts vom „Gehen“ sagte, war das Dienstverhältnis stillschweigend verlängert. Wer aber seinen Dienstplatz wechselte, der „schlenggerte“ oder „fetzte“ am Lichtmesstag, nachdem er ausbezahlt worden war, und sein Dienstzeugnis bekommen hatte. In früherer Zeit konnte man am Lichtmesstag, also dem „Schlenggertag“ viele sehen, die ihre Habseligkeiten transportierten.
DAS RANGGELN
Das Ranggeln ist weit mehr als ein friedliches Kräftemessen der Landbevölkerung. Der Ursprung dieses Sports liegt im Bereich der Kelten, und diese Kampfformen sind in ganz Mitteleuropa verbreitet gewesen, und haben in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert gehabt.
Mit dem Niedergang des Rittertums ist die gezielte Ausbildung in diesen Kampfformen verschwunden, jedoch hat die Landbevölkerung diese Techniken von Generation zu Generation weitergegeben. In unsicheren Zeiten war das Beherrschen von griffen und Würfen jedenfalls vorteilhaft für die Selbstverteidigung. So entwickelte sich das Ranggeln von der einst verbreiteten Kampfform im Alpenraum hin zu einer populären Sportart, die heute in Tirol, Bayern, Südtirol und in Salzburg als Volkssport betrieben wird, und an verschiedenen Orten, wie auch am Hundstein, in Kampfbewerben unter strengen Regeln die schnellsten, stärksten und besten Burschen ermittelt werden.
Der Hundstein ist ein besonderer Aussichtsberg im Zentrum des Pinzgaues, der teilweise im Gemeindegebiet von Bruck an der Großglocknerstraße liegt und durch Wanderwege von Bruck und St.Georgen erschlossen ist. Neben dem Jakobi-Rangeln, Namensfest des Jakob am 25.Juli jeden Jahres, das seit Jahrhunderten viele Ranggler und Zuschauer anzieht, treffen sich dort viele Menschen die andere die Sportarten ausüben zum sportlichen Kräftemessen. Bereits das „Hundstainedikt“ von Erzbischof Leonhard von Salzburg, aus dem Jahr 1518 bestätigt die Abhaltung der Rangglerbewerbe auf diesem Berg zur Ermittlung des rüstigsten jungen Bauernburschen. Früher, wie jetzt bedeutete der Sieger der Kämpfe, der Hagmoar, etwas ganz Besonderes und gilt als Vorbild für die jüngere männliche wie weibliche Jugend. Dem Hagmoar wird höchste Anerkennung durch die Konkurrenten und große Bewunderung in der Bevölkerung entgegengebracht.
Bis 1946 war der Ranggelplatz beim Hundsteinsee, danach wurde das Jakobi-Ranggeln auf einer Rasenfläche in der Nähe des Statzerhauses, dem Schutzhaus am Hundstein, abgehalten. Diese wurde 1889 errichtet, brannte aber im Jahre 1898 vollständig ab. Der Wiederaufbau erfolgte mit besonderer Unterstützung von Moritz Edler von Statzer in den Folgejahren. Seither trägt das Gebäude den Namen Statzerhaus.
OSTERBRÄUCHE IM PINZGAU
Palmsonntag
Mit Palmzweigen, einem jüdischen Huldigungssymbol, wurde damals der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert. In ländlichen Regionen werden die Palmzweige mit Palmkätzchen ersetzt und dienen auch als häusliches Segenssymbol.
Gründonnerstag
(früher Antlasstag „Antlaz“ bedeutet Ablass, Nachlass der Sündenstrafe, Entlassung aus der Buße). Den am Gründonnerstag gelegten Eiern wurden eine besondere Bedeutung zugeschrieben.
Die Beichte
Zwei Wochen vor dem Palmsonntag gab der örtliche Pfarrer die Beichttage bekannt, so wussten Bauern über den Beichttag ihrer Knechte und Mägde Bescheid, da an diesem Tag für die Dienstboten arbeitsfrei war. Mit einem „Beichtbild“ erhielten die Knechte und Mägde den Beweis für den Besuch beim Pfarrer welchen sie dem Bauer vorlegen mussten.
Aufgrund eines ledigen Kindes mussten einige Mütter beim Pfarrer öffentlich vor der Kirchentür um „Abbitte“ ansuchen. Bis zu diesem Zeitpunkt durften Frauen mit unehelichen Kindern nicht die Kirche betreten. Väter wurden von diesem Brauch verschont.
Das Ratschen
In den Osterfeiertagen verstummen die Kirchenglocken weil sie nach Rom zum Papst „fliegen“. Um den Dorfbewohnern dennoch die Kirchzeiten zu übermitteln laufen Kinder mit hölzernen Ratschen durchs Dorf und ersetzen das Glockengeläut.
Die Speisenweihe
Die Frauen der einzelnen Familien gestalten hübsche Osterkörbe mit traditionellen Speisen wie Osterfleisch, Eier, Osterbrot etc., um diese dann am Ostersonntag in der Kirche segnen zu lassen. Vor allem in Österreichischen Gebirgsregionen ist der Brauch immer noch einer der wichtigsten Ostertraditionen und leitet das Ende der Fastenzeit ein.
Das Weihfeuer
In der christlichen Osternacht wird vor der Kirche ein Feuer entzündet welches die Auferstehung Jesu Christi symbolisiert. Traditionell werden Osterkerzen mit diesem geweihten Feuer entzündet. Dieser Brauch wird im Salzburger Lungau immer noch gelebt.
Der Ostermontag
Bei Bauern war in früheren Tagen der Montag für Hochzeiten üblich und dieser Brauch wurde bis in die 1970er praktiziert. Besonders beliebt waren der Montag nach Ostern, der Faschingsmontag oder ein Montag im Herbst.